Der Speiseraum der Schule ist ein multifunktionaler Mehrzweck- und Veranstaltungsraum und Ergänzung des Marktplatzes, der diesem komplett zugeschaltet werden kann. Gleichzeitig bildet er mit den Küchenfunktionen den Bereich für die Mittagsverpflegung. Bis einschließlich zur Klassenstufe 6 soll das Essen in den Stammgruppenräumen eingenommen werden. Der daraus resultierende erhöhte Flächenbedarf sowie die Notwendigkeit einer Küchenzeile muss entsprechend in den Lernbereichen abgebildet werden. Die älteren Schülerinnen und Schüler essen in der kombinierten Zone aus Speiseraum, Hauswirtschaftsbereich und Marktplatz.
Die Größe des Speiseraums generiert sich durch die verringerte Schülerzahl, die diese Mittagsverpflegung nutzt. Es wird Wert darauf gelegt, dass die Atmosphäre und das Ambiente für die Essenseinnahme qualitativ gestaltet sind und eher einem Bistro bzw. Café gleichen. Besonders die Lautstärke / Akustik und die Art und Weise der Möblierung sind dabei von Belang.
In der Phase Null:
Gesamtzahl ÷ Anzahl Schicht × Prozentwert der Teilnehmenden × 1,4 m²
6 Stammgruppen × 24 Schülerinnen und Schüler (SuS) + 4 Stammgruppen × 27 SuS
= 252 SuS der Jg. 7 – 12
252 ÷ 3 Schichten × 65 % × 1,4 m² = 76 m²
(Raumprogramm: 80 m²)
In der LPH 2 wird festgelegt, dass alle Kinder in dem Bistro das Mittagessen einnehmen, und die Fläche entsprechend auf 120 m² erhöht.
In der LPH2:
Gesamtzahl ÷ Anzahl Schicht × Prozentwert der Teilnehmenden × 1,4 m²
12 Stammgruppen × 24 SuS + 4 Stammgruppen × 27 SuS
= 396 SuS der Jg. 1 – 12
396 ÷ 3 Schichten × 65 % × 1,4 m² = 120 m²
(Geplant wird ein Speisebereich von 121 m² zuzüglich Bereich der Essensausgabe von 18 m²).
Liegt keine konkrete Bedarfsermittlung der am Mittagessen teilnehmenden Personen vor, liefern die Raumprogramme der Schulbauempfehlungen bzw. Leitlinien eine Planungsgrundlage. Die dort angegebenen Flächen sind aber in der Regel nicht dafür ausgelegt, dass die gesamte Schulgemeinschaft am Mittagessen teilnehmen kann, auch dann nicht, wenn es in mehreren Schichten organisiert ist. Außerdem unterscheiden sich die Angaben für den Flächenbedarf pro Essplatz. Während die Thüringer Schulbauempfehlungen von 1,4 m² ausgehen (SchulbauEmpfTH, 12. Raumprogrammempfehlungen), empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 1,4 – 1,7 m² pro Essplatz (vgl. DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Schulen, 4. Auflage, Bonn 2015, S. 24). In der 5. Auflage von 2020 werden keine Flächenwerte mehr genannt. Der Planungsrahmen Weiterführende Schulen Frankfurt am Main 2019, nennt 1,8 m² pro Essplatz.
Beispielrechnung nach SchulbauEmpfTH
Für eine Gesamtzahl von 360 Schülerinnen und Schülern wird eine Speisesaalgröße von 80 m² vorgeschlagen, was bei einem Platzbedarf von 1,4 m² pro Platz 57 Sitzplätze ermöglicht. Bei einer Organisation des Mittagessens in drei Schichten können 171 Kinder teilnehmen – weniger als die Hälfte der Gesamtzahl von 360 Kindern.
In Weimar wird der Speisebereich mit den Flächen des Marktplatzes gekoppelt und kann sich darüber hinaus mit dem Fachbereich Musik zu einer großen, flexibel nutzbaren Fläche verbinden. Im Ergebnis entsteht so eine Gesamtfläche von 240 m² und damit ausreichend Platz, um für die gesamte Schulgemeinschaft von 400 Schülerinnen und Schülern ein Mittagessen anzubieten.
Berechnung
240 m² Raumfläche × 3 Schichten ÷ 1,8 m²
= 400 Personen
In den Raumprogrammen der Schulbauempfehlungen wird der Speisesaal zwar oft als Mehrzweckraum betitelt, allerdings ist mit der vorausgesetzten Bemessungsgröße des Saales von nur 1,4 m² pro Sitzplatz fraglich, wie eine Mehrfachnutzung im Alltagsgebrauch hergestellt werden soll, wenn der gesamte Raum bereits mit Tischen und Stühlen belegt ist. Damit der Saal tatsächlich mehrfach genutzt werden kann, ist es wichtig, die Flächen mit anderen Räumen zu koppeln, um insgesamt größere Raumverbünde herstellen zu können. Diese unterschiedlichen Nutzungsszenarien müssen dann auch in der Möblierungsplanung berücksichtigt werden. Damit verbunden ist der Vorteil, dass auf unterschiedliche Bedürfnisse für die Mittagspause – schnell, langsam, alleine zu mehreren etc. – eingegangen werden kann.
Die Möblierungsplanung sieht deshalb unterschiedliche Raumzonen vor, die nicht für eine Nutzung als Speiseraum allein ausgelegt sind, sondern über den Tag hinweg als Kommunikations-, Rückzugs- und Arbeitsbereiche genutzt werden können.
Zu den besonderen Herausforderungen der Lichtplanung siehe "Vorgaben zu Gleichmäßigkeit vs. Bistro-Atmosphäre" im Kapitel Beleuchtung.
Ein Speisesaal, der nur während der kurzen Mittagszeit genutzt wird, sowie eine traditionelle Aula, die nur für Aufführungen genutzt wird, sind standardmäßig besonders unwirtschaftliche Flächen. Durch Nutzungsüberlagerungen kann die Flächeneffizienz gesteigert werden.
Ziel ist es, das Bistro ganztägig als Erweiterung der pädagogischen Programmflächen nutzbar zu machen. So steht die gesamte Fläche im zeitlichen Wechsel auch dem Fachbereich Musik zur Verfügung. Es gibt ein Orchester an der Schule und die große Fläche kann gut für gemeinsame Proben und Aufführungen genutzt werden. Für den regulären Musikunterricht kann ein Teilbereich der Fläche mit akustisch wirksamen Faltwänden abgetrennt werden. Morgens und am Nachmittag ist der Raum verstärkt in der Aufsicht des Hortpersonals. In den Wandschränken des Markplatzes können Spiel- und Lernmaterialien für den Hort verstaut werden.
Atmosphäre und Ambiente der Schulmensa gleichen in der Gestaltung einem Bistro oder Café. Durch eine räumliche Ausdifferenzierung werden Zonen für kürzere oder längere Aufenthaltsdauer ausgebildet: z. B. für Kaffeetrinken im Stehen, gemeinsames Essen in kleinen Gruppen, Ausruhen in loungeartigen Sitzecken, Gespräche und Beratungen zu zweit am Kaffeetisch etc. Ist die Mensa als angenehmer Aufenthaltsort gestaltet, wird sie auch als Lernort angenommen. Die Mehrfachnutzung wird vor allem durch ihre gestalterische Qualität möglich. Damit ist die Gestaltung ein Gegenmodell zu den hallenartigen und lauten Schulmensen. Es ist kein monofunktional auf die Essensausgabe und Abfertigung bezogener Raum. Entscheidend für eine gute Aufenthaltsqualität sind neben Akustik und Licht auch die Luftqualität.
#Vielfältige Atmosphären #unterschiedliche Möblierung: Mensa und Cafeteria des FHNW-Campus, Muttenz (CH), pool Architekten, 2018 #Nischenbildung durch Vorhänge #Differenzierte Sitzmöglichkeiten #Einfache robuste Materialien: Mensa Berufsschulzentrum ROC van Twente, Hengelo (NL), IAA Architecten, 2011 #Einrichtung zum Verweilen und Arbeiten: Bekannte Kaffeehausketten
Jedes Projekt ist anders. Dafür sind die Fragen, die zu einer Entwurfsentscheidung führen, überall gleich. Die 26 Themen im Planungswissen beantworten diese Fragen: im Text entlang der folgenden Kriterien, im Bild in den anschließenden Isometrien.
Was ist die allgemeine Herausforderung bei diesem Thema – unabhängig vom aktuellen Pilotprojekt?
Kommunen müssen beim Bau von Schulen dringend auf neue pädagogische und organisatorische Anforderungen reagieren. Dabei gibt es bestimmte Herausforderungen, die standortübergreifend in der Planung zu lösen sind.
Welche Anforderungen an die Planung aus der Phase Null liegen den Entscheidungen im Pilotprojekt zugrunde?
In der Phase Null werden die Voraussetzungen und Bedarfe ermittelt, die sich aus dem Standort und dem Programm der jeweiligen Schule ergeben. Die Empfehlungen aus der Phase Null sind die Basis für den späteren Entwurf.
Welche Rahmenbedingungen aus Gesetzen und Normen gelten für das Projekt und wie werden sie angewandt und umgesetzt?
Viele geltende Richtlinien und Normen sind überholt. In jedem Projekt ist zu prüfen, wie vorhandene Vorgaben zu interpretieren und ggf. auch Ausnahmen durchsetzbar sind.
Wie werden spezifische Anforderungen im Projekt wirtschaftlich und nachhaltig gelöst?
Kosteneffizienz ist für jeden Schulbau ein wichtiges Ziel. Dabei gibt es viele Wege, um Wirtschaftlichkeit im Projekt und entlang der Anforderungen zu realisieren.
Welche ästhetischen, kulturellen und gestalterischen Aspekte prägen das Konzept?
Jede Schule ist ein kulturell und ästhetisch prägender Ort. Deshalb ist Gestaltung eine zentrale Qualität im Schulbau. Sie beeinflusst Wohlbefinden, Leistung und Verhalten und sagt viel über die Wertschätzung von Schule und Bildung in unserer Gesellschaft.
Welche Beispiele und Assoziationen aus anderen Projekten waren im Prozess anregend?
Auch wenn Innovation im Schulbau immer noch eine Herausforderung ist – interessante Vorbilder und Referenzen für Teillösungen gibt es überall. Wir nennen nur eine kleine Auswahl, die im Prozess tatsächlich eine Rolle gespielt hat. Ein Blick in die Geschichte und Gegenwart der Architektur von Schulen lohnt sich für jedes einzelne Projekt.